Als ich gestern abend vor dem Fernseher saß, traute ich meinen Augen nicht. Das „Foul“ im Finale des englischen Pokals zwischen Chelsea und Portsmouth gegen den mit einem Mal ach so zart besaiteten Michael Ballack stimmte mich mehr als stutzig.
Wer den englischen Fußball kennt und liebt, weiß, dass hier kein Platz für weinerliche Opfermentalitäten ist. Der versehentliche Stolperer Kevin-Prince Boatengs wäre wahrscheinlich gar nicht weiter geahndet worden, wären die Tränen des Michael B. nicht allzu eifrig gelaufen.
Nun regt sich das deutsche Kleinbürgertum darüber auf, dass man seinem Spatzi ans Schienbein getreten hat, ganz im Stile hysterischer Eltern, deren Rotzbengel endlich einmal die schon lange verdiente Abreibung erfahren hat.
Da schießen wilde Verschwörungstheorien wie Pilze aus dem Boden, unser Jogi stammelt Verwirrtes in die Kamera, und der brave Familienvater von nebenan belästigt seine Umwelt mit kranken Gewaltphantasien.
Doch wer Fußball liebt, der weiß: Ballacks frühzeitiges Ausscheiden beschert uns möglicherweise eine noch schnellere Heimfahrt des ohnehin nicht nur sportlich zurückgebliebenen Nutella-Teams, so dass wir uns als Fans von Fußball internationalen Rangs auf Spiele voller Enthusiasmus und Entschlossenheit freuen dürfen. Länder wie Serbien oder Ghana lassen darauf hoffen, ein spannendes Achtelfinale ohne die germanischen Memmen serviert zu bekommen.
Kevin Prince, der sich schon in der Vergangenheit durch sein ehrliches Auftreten und seine kompromisslose Art einen Namen in der Bundesliga gemacht hatte, hat nur Fußball gespielt – etwas, was Jogis hüftsteife Nullentruppe wohl nie beherrschen wird.

